Senioren zittern um Heimplatz

Große Aufregung bei den Bewohnern und Mitarbeitern des Pflegeheims Birkenhof: Weil Vitanas, der Betreiber des Heims und der Vermieter, die Vermögensverwaltung Corpus Sireo, sich nicht einigen können wer die Sanierung bezahlt, zittern über 100 pflegebedürftige Senioren um ihren Heimplatz. Vitanas hat den Mietvertrag bereits gekündigt. Und wenn es bis zum 31. Juli nicht zu einer Einigung kommt, wird die Senioren-Residenz dichtgemacht.

Schuld zugeschoben

Tatsache ist, dass es seit zwei Jahren heftigen Streit um die Sanierung des Gebäudes an der Spandauer Straße gibt. Vitanas-Sprecher Michael Weber-Zarft berichtet von erheblichen baulichen Mängeln: „Die Sicherheit der Senioren ist nicht mehr gewährleistet. Mangelhafter Brandschutz und ein veraltetes Rohrsystem bedeuten eine erhebliche Gefährdung der Mitarbeiter und Bewohner.“ Besondere Gefahr bestehe durch die Verunreinigung des Trinkwassers durch Legionellen. Bei altersschwachen Menschen können die Bakterien zu schweren Lungenentzündungen (Legionärskrankheit) führen. Verantwortlich für die Sanierung sei der Vermieter Corpus Sireo, behauptet Vitanas. Der komme aber seiner Pflicht nicht nach. „Der Instandhaltungsstau ist für uns nicht mehr tragbar, so dass wir diesen unschönen Schritt gehen mussten“, begründet Vitanas Geschäftsführer Torsten Wenzel die Kündigung.

Die Mitglieder von Corpus Sireo sehen das anders. Vitanas versuche den Eindruck zu erwecken, dass seitens der Vermieter eine Pflichtverletzung vorläge, sagt Corpus Sireo-Sprecherin Yvonne Hoberg: „Tatsächlich fallen die erforderlichen Instandsetzungsmaßnahmen gemäß der geltenden Mietverträge in die Verantwortung von Vitanas.“ Der Immobilienfonds habe das Gebäude 2006 von den Pflegeheimbetreibern übernommen und dann an diese vermietet. Damals sei vertraglich festgelegt worden, dass Vitanas für die Instandhaltung der Gebäude verantwortlich sei. Corpus Sireo habe sich die Gebäude deshalb deutlich mehr kosten lassen. Vitanas-Sprecherin Angela Koschies widerspricht: „Vitanas war nie Eigentümer der Immobilie und hat auch keinen Kaufpreis von Corpus Sireo erhalten.“ Bereits 2011 gab es Gespräche zwischen den Beteiligten über den Sanierungsbedarf des Pflegeheims Birkenhof. Aber zu einer Einigung ist es bis heute nicht gekommen.

Bewohner beunruhigt

Wer hier die Wahrheit sagt und wer die Fakten verdreht, ist schwer zu beurteilen. Fakt ist aber, dass die Leidtragenden des Streits die Bewohner sind. Vitanas verspricht zwar, dass allen Bewohnern des Birkenhofs ein alternativer Heimplatz angeboten werde, doch gerade für pflegebedürftige Senioren bedeutet ein Umzug eine riesige Belastung. Sozialstadtrat Jürgen Vogt (CDU) ist besorgt: „Ich kann die Unruhe unter den Bewohnern und Beschäftigten sehr gut nachvollziehen“. Auch was die Mitarbeiter angeht, macht Vitanas Versprechungen: „Wir sind bestrebt, allen Mitarbeitern ein Angebot für die Weiterbeschäftigung zu unterbreiten“, kündigt Vitanas-Sprecherin Angela Koschies an. Für Vitanas scheint die Sache klar. Mit der Kündigung laufen die Verträge zum 31. Juli aus. Corpus Sireo-Sprecherin Hoberg hat noch Hoffnungen: „Wir gehen davon aus, dass Vitanas ihren Verpflichtungen aus den bestehenden Verträgen nachkommt  und den Betrieb weiterführt.“ Der Dialog mit den Pflegeheimbetreibern werde weiterhin gesucht, um schließlich zu einer Lösung zu gelangen.

Veröffentlicht im Berliner Abendblatt, Ausgabe Spandau, Nr. 17, 27.4.2013
http://www.abendblatt-berlin.de

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