Ein Stück Natur – auch in der Stadtwohnung

Ein Stück Natur - auch in der Stadtwohnung

Ob hängend, stehend, in Vasen oder sogar über Kopf, mit Blüten oder grün – Pflanzen haben einen entscheidenden Einfluss auf das Wohnambiente und tun Gutes fürs Raumklima. Bei der Auswahl gehen die Geschmäcker auseinander.

Dass Pflanzen nicht nur schön anzuschauen, sondern auch gut für die Gesundheit sind, ist hinlänglich bekannt. Aber wie genau fördern sie das körperliche und geistige Wohlbefinden? „Pflanzen sind Natur pur. In der Großstadt haben die meisten Menschen nichts Natürliches in der Wohnung, außer vielleicht einem Haustier“, erklärt Innenarchitektin Marianne Constanze Gollub. Nicht nur der psychische Effekt spricht für den Mitbewohner Zimmerpflanze. Auch für das Raumklima tut er Gutes: „Alle Pflanzen erhöhen tagsüber den Sauerstoffgehalt“, sagt Lutz Grille, Geschäftsführer von Rothe Gartenbau in Zehlendorf, und ergänzt: „Je größer die Pflanze und je weicher die Blätter, desto besser für die Luftfeuchtigkeit.“ Außerdem nehmen einige Pflanzen Schadstoffe, wie beispielsweise Ozon und Formaldehyd, auf. Grille schlägt einen Mix verschiedener Pflanzen vor: „Zum Beispiel kann Efeutute gegen Luftschadstoffe und Einblatt für feuchtere Luft eingesetzt werden.“ In Sachen Pflanze stimmt das Prinzip á la „viel hilft viel“. Die Stückzahl ist laut Grille nicht entscheidend: „Zwei sehr große Pflanzen können manchmal mehr bewirken als 20 kleine.“

Jede Pflanze ist anders.

Wer sich Pflanzen in die Wohnung holt, für den ist die Optik mindestens so entscheidend, wie der gesundheitliche Vorteil. Bei der Auswahl gehen die Geschmäcker auseinander. Manch einer bevorzugt kleine grüne Pflanzen, der andere möchte viele bunte Blüten betrachten und der dritte beschränkt sich auf ein einzelnes, dafür umso opulenteres Gewächs. Auch Lichtverhältnisse, Raumgröße und Zimmerwahl sind entscheidend. Allgemein gilt laut Grille: Schattenpflanzen an die Nord-, Sonnenpflanzen an die Südseite. Für helle, warme Räume empfiehlt Blumenhändlerin Grit Rose Pflanzen, die in mediterranen Bereichen großwerden, wie beispielsweise Bleistiftkakteen. Wer einen kleinen, dunklen Raum verschönern möchte, könnte dies zum Beispiel mit Farn oder Schusterpalmen tun. Innenarchitektin Gollub peppt kleine Wohnungen gerne mit Fici und Benjaminen auf, weil diese den Raum nicht einnehmen. Große Räume brauchen große Pflanzen. Gollub empfiehlt Palmen. „Die wachsen in die Breite statt in die Höhe. Außerdem brauchen sie wegen des psychologischen Effektes viel Platz: Wir nehmen intuitiv Abstand von Palmen, damit wir uns nicht piksen.“ Völlig ungeeignet ist nach Ansicht der Innenarchitektin die Küche: „Pflanzen bekommen mit, was um sie herum geschieht. Wenn Gemüse oder Obst zerteilt werden, spürt eine Zierpflanze das.“ Deshalb ihr Rat: Zier- und Nutzpflanzen weit voneinander entfernt halten. Das Bad kann ein idealer Ort sein: Pflanzen, die eine hohe Luftfeuchtigkeit mögen, fühlen sich hier sehr wohl.

Schön und schlicht.

„Orchideen gehen das ganze Jahr über sehr gut“, erklärt Rose. Wer sich nicht für den Kassenschlager entscheide, treffe seine Wahl oft abhängig von der Jahreszeit. „Im Winter ist besonders die Amaryllis beliebt. Die typische Sommerpflanze ist der Hibiskus.“ Im Herbst werden oft warme Farben bevorzugt, wohingegen der Frühling die Jahreszeit der Tulpenliebhaber ist. Generell geht der Trend laut Rose wieder in Richtung schlichte Pflanzen wie Elefantenfuß oder Zimmerlinden. Persönlicher Geschmack ist ein Aspekt, genauso wichtig ist der Zeitfaktor: „Wer viel Zeit investieren möchte, sollte sich Bonsais anschaffen. Je größer eine Pflanze ist und je kleiner die Blätter sind, desto mehr Arbeit macht die Pflege“, so Grille. Er empfiehlt Kakteen, Yucca-Palmen und Gummibäume für Menschen mit wenig Zeit.

Leuchtende Vasen.

Ist die Wunschpflanze gefunden, fehlt noch die richtige Präsentation. Klassisch in einem Topf, auf einem Podest, von der Decke oder an der Wand hängend – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wer sich Licht in die Wintermonate zaubern möchte, könnte mit beleuchteten Pflanzvasen glücklich werden. Die gibt es bei „Berliner Lichtkultur“ in verschiedenen Farben – inklusive Energiesparlampe und ein 250 Zentimeter langes Kabel. Der Topf kann direkt bepflanzt werden, der Preis liegt bei 69 Euro. Wer etwas günstigeres, aber nicht weniger originelles favorisiert, den könnten hängende Pflanztöpfe (Sky Planter) begeistern. Dabei steht die Pflanze auf dem Kopf. Gehalten wird sie durch einen Ring und gegossen wird von oben. Angeboten werden die Kopfüber-Töpfe zum Beispiel vom Urban-Gardening-Experten Boskke bei Plantu. Das Töpfchen gibt es für 16 Euro in knalligen Farben und Pastelltönen, ge- nauso wie in klassischem Schwarz und Weiß. Etwas teurer, dafür direkt vor Ort abholbar, gibt es die hängenden Töpfe bei Manufactum.

Von: Anna Wengel

Veröffentlicht in: quartier – das Immobilienmagazin in der Berliner Zeitung und im Berliner Kurier, am 23./24.11.2013

Advertisements