Flüchtlingsheim schließen

Das Gerücht gibt es schon lange. Jetzt bestätigen das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und die Arbeiterwohlfahrt (AWO): Das Erstaufnahmeheim in der Motardstraße wird geschlossen. Der Pachtvertrag für das Gelände wurde gekündigt. Die Mitarbeiter des Flüchtlingsheims wissen von nichts.

Gerücht bestätigt

„Es gibt seit Monaten die gleichen Nachrichten. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass unser Heim geschlossen werden soll“, heißt es aus der Motardstraße. So richtig glaubt hier niemand daran. Aber bisher gibt es auch noch keine Info von oben. „Wir sind alle noch im Dunkeln.“ Betreiber und Landesamt wissen da mehr: „Der Besitzer Osram hat uns den Vertrag zum 31. Dezember gekündigt“, sagt Manfred Nowak, Vorsitzender des Kreisverbands der AWO-Mitte, der das Heim in der Motardstraße betreibt. Der Besitzer habe aber eine vierteljährliche Verlängerung bewilligt, um das Heim zu räumen. Dann müssen Flüchtlinge und Mitarbeiter aus dem Heim sein. Sorgen um die Arbeitsplätze scheint es in der Motardstraße nicht zu geben: „Innerhalb der AWO gibt es sicherlich einen Sozialplan. Aber Informationen haben wir bisher nicht.“ Auch Lageso-Sprecherin Silvia Kostner sieht da keine Probleme: „Wenn sie wollen, werden die Mitarbeiter weiterbeschäftigt. Die werden bestimmt auf die anderen Heime verteilt.“

Jetzt soll geschehen, was schon lange geplant ist. „Wir wollen das Heim seit Jahren aufgeben. Aber durch die immer weiter steigenden Flüchtlingszahlen mussten wir immer wieder darauf ausweichen und immer wieder neu belegen“, sagt Kostner, „jetzt suchen wir aber wirklich nach einer neuen Erstaufnahmeeinrichtung.“ Mehrere Objekte in ganz Berlin werden geprüft. Ergebnisse gibt es noch nicht. „Wir suchen vor allem in Bezirken, die noch nicht so viele Flüchtlinge aufgenommen haben“, so die Lageso-Sprecherin. Zum Beispiel Neukölln und Treptow-Köpenick. Auch Spandau wird auf Herz und Nieren geprüft, denn fallen die 500 Plätze in der Motardstraße weg, muss der Bezirk nachlegen. 907 Flüchtlinge leben aktuell in Spandau. 587 davon allein im Erstaufnahmeheim. Der AWO-Kreisverbandsvorsitzende sieht eine Möglichkeit im Askanierring. Die dortige Notunterkunft könne ausgebaut und so die Platzzahlen erhöht werden, glaubt er.

Übernahme unwahrscheinlich

Eine andere Möglichkeit, die laut Nowak im Gespräch ist, ist die Übernahme des Geländes durch das Land Berlin. Denn „Osram strebt den Verkauf des Areals an“, so Osram-Sprecherin Susanne Enninger. Der Firma sei „daran gelegen, mit dem Bezirk Spandau, dem Lageso und der AWO eine einvernehmliche Lösung zu finden.“ Große Chancen hat die Überlegung des Verkaufs an das Land Berlin laut Nowak aber nicht: „In der Motardstraße wäre eine Neubau unumgänglich. Wegen der Lage im Industriegebiet würde das Land Berlin dafür aber niemals eine Baugenehmigung bekommen. Die Menschen sollen besser integriert werden, dafür muss es aber auch eine Nachbarschaft geben.“ Die Genehmigung für die Zentrale Erstaufnahmestelle sei 1995 nur erteilt worden, weil die Einrichtung als Übergangslösung geplant gewesen war. Ein Übergang, der wegen der zunehmenden Flüchtlingszahlen lange aufrecht erhalten worden ist. Zumutbar sei sie schon lange nicht mehr, so Nowak.

Veröffentlicht im Berliner Abendblatt, Ausgabe Spandau, Nr 37, 14.9.2013
http://www.abendblatt-berlin.de

 

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