Wie entwickelt sich der Gewerbemarkt?

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Einblick in die aktuelle Situation und Zukunft der Gewerbeimmobilien-Szene.

Handel ist Wandel. Getreu diesem Sprichwort verändert sich Berlins Wirtschaft permanent. „Berlin gehört längst zu den dynamischen Wirtschaftsregionen in Europa“, heißt es auf dem Hauptstadtportal Berlin.de. Traditionelle Industrie- und mittelständische Unternehmen sowie eine Vielzahle junger Start-ups tummeln sich in der Stadt und sorgen für eine florierende Wirtschaft. Einzelhandelsmakler Stephan Grube sieht einen besonderen Vorteil des Gewerbestandorts Berlin: „Im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen ist Berlin günstig.“ Wegen der sicheren politischen Lage sehen zum Beispiel Investoren aus den USA, Russland und Griechenland in der Gewerbe-Szene Berlins eine sichere Geldanlage.

Mehr Shoppingcenter. Eine Herausforderung für die Gewerbe-Szene sieht Grube in der Zunahme der Shoppingmalls: „Es gibt 170 Standorte, an denen Berliner und Touristen einkaufen. 65 davon sind Shoppingcenter. Die Zahl steigt unaufhörlich.“ Neue Projekte wie das Shoppingquartier am Leipziger Platz und die Schultheiss-Brauerei an der Turm-, Ecke Stromstraße freuen Konsumenten. Den bisherigen Anziehungspunkten bereiten sie Sorgen. „Besonders die Mall am Leipziger Platz erhöht den Druck auf Einkaufsmeilen wie die Potsdamer Platz Arkaden, das Alexa, die Friedrichstraße oder die City West“, sagt Grube. Nach Meinung des Einhandelsmaklers werde der Leipziger Platz in Zukunft der primäre Anziehungspunkt für Berliner und Touristen sein. Die Zunahme der Shoppingcenter könnte auch das Schrumpfen der Einzelhandelslagen bedingen. Ein Einkaufszentrum wirkt wie ein Magnet, um den sich Einzelhändler konzentrieren. Ein Beispiel ist laut Grube das Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße in Köpenick. Dort sei der Einzelhandel um die Shoppingmall herum deutlich verringert – Filialen und Handelsketten hätten die kleinen Händler verdrängt. Grube: „Wichtig ist ein ausgewogener Mix aus kleinen Einzelhändlern und Filialen. Die Einzelhändler müssen versuchen, ihre Nische zu finden.“

Einzelhandel im Wandel. Die Zahl der Einwohner und Touristen steigt. Beides bedingt den Anstieg der Kaufkraft. Davon profitiert der Einzelhandel. „Die tendenziell bessere wirtschaftliche Lage in der Stadt wirkt erst einmal stabilisierend“, sagt Werner Sauer von Sauer-Gewerbeimmobilien. Die leerstehenden Straßenzüge, in denen einst das Geschäft florierte, sind dennoch nicht wegzureden. „Eine Verödung von Einkaufsstraßen ist nicht erfreulich“, sagt Sauer. Ein Aussterben des Gewerbebereichs befürchtet er nicht: „Der Einzelhandel verändert sich ständig. Beispielhaft dafür ist die Einführung der Selbstbedienung in den 1960er Jahren, die Ausweitung der Verkaufsflächen in den letzten 50 Jahren und die Entwicklung großer Shoppingcenter in den letzten 30 Jahren.“ Neben den Malls gibt es eine weitere Herausforderung für die Einzelhändler: Allerorts geraten sie durch den zunehmenden Onlinehandel unter Druck. Das bestätigt Einzelhandelsmakler Grube: „Besonders die Bereiche Bücher und Schuhe leiden.“ Laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin belegen Bekleidung, Textilien, Schuhe und Bücher, Bild- und Tonträger die ersten beiden Plätze der umsatzstärksten Warengruppen.

Innenstadt beliebt. Die Gewerbeimmobilien-Szene entwickelt sich insgesamt positiv, so Sauer. Trotz der Schwierigkeiten für den Einzelhandel, sei der Internetboom erfreulich: „Wenn sich viele Internetfirmen ansiedeln, vergrößern oder neu gegründet werden, schafft das Arbeitsplätze, die Nachfrage nach Büroflächen und die Kaufkraft steigen.“ Auch für andere Dienstleistungsbereiche, wie die Logistik, sei die Entwicklung positiv. Denn: „Die im Internet bestellten Waren müssen zum Kunden gebracht werden. Davon hat auch das Berliner Umland profitiert.“ Die gute Entwicklung ruhe auf drei Säulen: dem Wachstum der Internetfirmen, dem steigenden Städtetourismus und dem Bauboom im Wohnungsbau. Ein weiterer Aspekt ist laut Grube der Investment-Bereich: „Die große Nachfrage nach Gewerbeimmobilien ist bedingt durch die politische Landschaft. Durch das Bestellerprinzip von Maklern, die Mietpreisbremse und die Zweckentfremdungs-Verordnung schwenken viele Investoren vom Wohn- auf den Gewerbeimmobilien-Bereich um.“ Wer mit seinem Verkaufsmodell gut verdient, betreibt sein Geschäft wenn möglich in Mitte und Co. Denn: die Innenstadtlagen sind beliebt. Die Preise sind entsprechend hoch. Außerhalb dieser Gebiete gibt es ein breites Angebot an Einzelhandelsflächen.

Von Anna Wengel

Veröffentlicht in: quartier – das Immobilienmagazin in der Berliner Zeitung und im Berliner Kurier, am 29./30.3.2014

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