Kolumne: Liebe Britney Spears, wie viele Männer sind zu viele Männer?

Wieso werden Frauen, die viele Sexualpartner haben, beleidigt, Männer aber nicht? Und wieso gibt es diese Diskussion überhaupt noch?

Britney Spears (33) hatte mindestens 23 Männer. Die entrüsteten Reaktionen auf diese Zahl haben mich zum Nachdenken gebracht: Welche Zahl an Bettgefährten ist „normal“? Wie viele Männer sind zu viele Männer? Und wieso gibt es in unserem Wortschatz eine negativ besetzteBezeichnung für eine Frau, die nach Meinung desjenigen, der den Begriff „Schlampe“ verwendet, mit zu vielen Menschen geschlafen hat – aber kein männliches Äquivalent?

Wann ist Frau sexuell zu offen?

Höre ich mich in meinem Freundeskreis um, werden unterschiedliche Zahlen genannt. Eine Freundin war mit sieben Männern im Bett. Sie hatte längere Beziehungen. Jetzt ist sie Single, will ständig Sex und auf keinen Fall etwas Festes. Sie ist glücklich und fühlt sich frei. Und diese Freiheit teilt sie dann und wann mit Männern, die ihr gefallen. Eine andere Freundin hatte über 50 Männer. Sie ist auf der Suche nach Liebe. Manchmal sucht sie Bestätigung. Macht das nun eine der Frauen zu einer Person ohne Moral? Nein! Liebe Sittenwächter, die Zahl der Sexualpartner reicht wohl kaum aus, um Moral zu definieren.

Britney Spears wird wie meine Freundinnen Gründe haben für die Auswahl der Männer, die in ihrem Leben eine Rolle spielten – und wenn es auch manchmal nur darum geht, lustvolle Stunden miteinander zu verbringen. So kommt bei einigen Single-Mädchen über die Jahre eben eine „große“ Zahl zusammen. Trotzdem reagieren viele Leute geschockt, wenn Frau erzählt, dass die Anzahl ihrer Bettgefährten höher ist als die des Durchschnitts – angeblich liegt der in Deutschland bei 5,8 Sexualpartnern. Erzählt ein Mann, dass er bald die 100 knackt, wird er gefeiert. Die meisten Frauen würden so etwas niemals zugeben. Wie war das nochmal mit der Gleichberechtigung?!

Zeit, die Realität zu akzeptieren

Soll jedes Mädchen, dass sich nicht den miesen Titel Schl**pe verdienen will, seine Libido hinter einer Dornenhecke verstecken, bis der Prinz bereit ist, sie aus ihrem Jahrhundertschlaf zu wecken? Haben wir nicht alle das Recht, uns sexuell auszuleben und uns Nähe zu holen, wenn uns danach ist? Ist es schlimm, wenn die eigenen Bedürfnisse von wechselnden Personen gestillt werden? Sind diese Beziehungen weniger wert als die, die man zu einer einzigen Person über Jahre pflegt? Vielleicht sind sie auf Dauer weniger bedeutsam, aber gleichzeitig bringt uns doch jede Begegnung mit einem anderen Menschen irgendwie weiter.

Menschen haben viele Gründe, aus denen sie mit anderen intim werden. Wieso das bewerten? Wieso Beleidigungen aussprechen? Wieso fangen wir nicht an, die Realität zu akzeptieren? Realität ist, dass viele von uns nicht mit 16 den Partner fürs Leben finden und er der einzige ist, mit dem wir schlafen. Realität ist, dass Frauen sich immer mehr emanzipieren und das in puncto Sex bedeutet, dass sie sich ausleben und schlafen, mit wem sie wollen.

Von Anna Wengel

Veröffentlicht bei Purestars: Hier geht’s zur Kolumne.

 

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