Glamour, Labels, Prunk – Alles eine Frage des richtigen Studiums

kompass_luxus-lernen

Louis Vuitton, Gucci, Chanel und Co. – so mancher Luxusanbeter würde für die prachtvolle Extravaganz dieser Luxuslabels seinen letzten Cent ausgeben. Für andere geht die Liebe zur Opulenz sogar noch ein Stück weiter: sie wollen sie nicht nur besitzen, sondern bis ins kleinste Detail erfahren. Und das tun sie – im Studium der Luxuswissenschaften.

It-Girl Kylie Jenner (19) hat zum Geburtstag einen Mercedes Maybach von ihrem Liebsten, dem Rapper Tyga (26), geschenkt bekommen, Schwester Kim Kardashian (35) gibt im Monat umgerechnet 4.500 Euro für das Stylistenteam ihres Töchterchens North West (3) aus und der Nachwuchs von Model Coco Austin (37) und Musiker Ice-T (58) wurde nicht nur von Anfang an mit Diamanten und Co. geschmückt, sondern direkt nach der Luxusmarke Chanel benannt. „Die spinnen, die Promis“, mag bei derartigen Beispielen aus der Welt der Schönen und Reichen der Gedanke in so manchen Köpfen sein, „das will ich auch“, der aufkeimende Wunsch in anderen. Doch was ist es eigentlich, das Luxus so anziehend macht?

Das lernen die Studenten der diversen Luxus-Studiengänge. Ja, richtig gelesen, Luxus-Studiengänge. Denn Luxus kann man nicht nur besitzen und bestaunen, man kann ihn auch studieren. So etwa in globalen Modemetropolen wie Paris und New York sowie im Mekka der Luxusanbeter schlechthin: Monaco. Doch auch hierzulande können Luxusverliebte das Luxusleben erlernen.

Luxus lernen in Paris, Berlin, New York & Co.

So wirbt etwa die deutsche EBC-Hochschule auf ihrer Homepage damit, ein „Sprungbrett in die internationale Mode-, Luxus- oder Handelsbranche“ zu sein und den Wunsch, die „Trends von morgen mitzugestalten“ erfüllen zu können. Das Mittel zum Zweck: der Bachelorstudiengang „Fashion, Luxury & Retail Management“, der in Berlin, Hamburg und Düsseldorf studiert werden kann.

Der Hochschule stehen diverse Konkurrenzangebote in aller Welt gegenüber. So wirbt etwa die École supérieure des sciences économiques et commerciales, kurz ESSEC, damit, die erste private Elitehochschule zu sein, die einen Master of Business Administration (MBA) im Studiengang „Luxury Management“ angeboten hat. Die Pariser Uni entstand im Jahr 1995 und kollaborierte mit Luxusunternehmen wie LVMH und L’Oréal. Und diese Marken sind längst nicht die einzigen großen Namen, mit denen die Luxusschule anbändelt. Auch Chanel, Dom Perignon und Van Cleef & Arpels sind eine Partnerschaft mit der, weltweit zu den führenden Businessschulen zählenden, Uni eingegangen. Eine Karriere im Luxussektor verspricht auch die New Yorker Leonard N. Stern School of Business. Im Studiengang „Luxury Management“ lernen die Studenten etwa, wie das mit der Luxus-Vermarktung klappt, wie man die Strategie eines Luxuslabels entwickelt, wie überhaupt die ganze Modeindustrie funktioniert und im Speziellen, wie Luxus, Verkauf und Markenwerdung in Italien vonstatten gehen.

So glamourös ist das Luxusstudium

Haben all die Luxus-Studiengänge nur eins im Sinn – das Berufsleben in der Industrie von Prunk und Opulenz – sind sie doch im Aufbau verschieden. Während die Luxusstudenten etwa an der EBC ihre Studienlaufbahn schon von der Pieke an dem Luxussegment widmen können, bedarf es an diversen internationalen Universitäten eines allgemeineren Bachelors, bis man sich dann beim MBA voll und ganz dem Luxusleben widmen kann. Doch nicht nur der erste Studiengang ist eine Hürde, die Möchtegern-Luxusstudiengang-Absolventen meistern müssen. Auch das nötige Kleingeld spielt oft eine Rolle.

So ganz ohne bereits vorhandenen Luxus geht es in den meisten Fällen nicht. So müssen „International Luxury Brand Management“-Studenten der ESSEC aktuell 45.000 Euro für ihr Studium aufbringen, plus 2.500 Euro für die drei Auslandsaufenthalte in Italien, Dubai und der Schweiz, die im Studium enthalten sind. Auch die private Luxusuni EBC in den drei deutschen Großstädten lässt sich ihren Bachelorstudiengang was kosten: knapp 30.000 Euro müssen die wissensdurstigen Luxusanbeter hier zahlen, um am Ende mit einem Bachelor of Arts in die Luxusberufswelt aufzubrechen.

Zwar bieten ein paar der Universitäten auch Stipendien an, in den meisten Fällen sind es aber wohl Mama und Papa, die die zahlreichen Hunderter in das Studium ihres Sprösslings stecken. Entsprechend klar ist das Klientel in den Luxusstudiengängen: Kinder vermögender Eltern, denen Luxus seit Kindertagen ein Begriff oder zumindest eine vorstellbare Option ist. Ganz so einseitig, wie man sich die Luxus-Studenten nun vorstellen könnte, ist es aber nicht. So wirbt etwa die ESSEC damit, auf ihren drei Campussen in Paris und Singapur 30 Prozent internationale Studierende zu haben. Viele von ihnen kommen aus Asien, den USA, Saudi-Arabien und Co. – also den Gegenden der Welt, in denen mit Luxus sehr viel Geld erwirtschaftet wird.

Was erwartet die Studenten nach dem Abschluss?

Eine Karriere im Luxussegment ist es, was die Studierenden mit einem der teuren Studiengänge anstreben. Doch was genau kann man damit anfangen? Sechs verschiedenen Felder gibt es laut der NYU: Brand Management, Business Development, Betriebsleitung, Marketing, Marktforschung und strategische Planung. Auch der Verkauf einer Marke liegt im Bereich des Möglichen.

All diese Berufe sind Teil einer Industrie, die seit den 1990er Jahren immer stärker wächst. Laut dem Statistikportal Statista lag der weltweite Umsatz mit Luxusgütern im Jahr 1995 bei etwa 77 Milliarden Euro. 20 Jahre später war er bis auf schätzungsweise 253 Milliarden Euro gewachsen. Marktführer in Sachen wertvolle Luxusmarkenhersteller ist aktuell übrigens Louis Vuitton mit 27,445 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Hermès mit 18,938 und Gucci mit 13,8 Milliarden US-Dollar.

Klar, dass sich bei einem solchen Wachstum auch der Jobmarkt perspektivisch ausweitet und neue Berufsbilder und Berufsbildungsangebote aus dem Boden schießen. Zahlreiche Universitäten weltweit bieten inzwischen Studiengänge wie „Luxury Mangement“ und Co. an, die den Studierenden die Tür in die Industrie des Prunks und der verschwenderischen Fülle öffnen sollen – um am Ende vielleicht nicht nur dahinter zu kommen, wie Kim Kardashian und Co. zu einem solchen Reichtum gelangt sind, sondern auch, wie man diesen Drang nach Luxus am besten für die eigene Karriere nutzen kann.

 

Veröffentlicht im KOMPASS, Print und Online, September 2016

Advertisements