Totenverbrennung in Pashupatinath

Eine Leiche wird verbrannt und alle stehen drum herum. Machen Fotos. Schauen zu, wie die Familie trauert. Wie sie die Seele des gerade Verstorbenen entlässt, damit die in einem anderen Körper wiedergeboren werden kann. Oder im Bestfall den Weg ins Brahman-Nirvana findet.

In der Tempelstätte Pashupatinath nahe Kathmandu ist das öffentliche Verbrennen von Leichen an der Tagesordnung. Angehörige wie Fremde nehmen teil. Bei der Zeremonie bettet man den Toten auf einer Bahre in weiße und orangefarbene Tücher. Obenauf werden Tagetes-Ketten drapiert. Die Bahre samt Mensch, Tüchern und Blumen legen die Angehörigen auf die Stufen am Fluss Bagmati, der die Tempelanlage teilt. In welcher Höhe des Flusses die Zeremonie stattfindet, ist abhängig von der Kaste. Je höher die gesellschaftliche Schicht des Verstorbenen, desto höher am Bagmati ist der Platz.

Am Fluss werden die Füße des Toten mit dem heiligen Wasser gewaschen und der Leichnam mit dem Wasser bespritzt. Der Tradition nach wird der Schädel des Toten eingeschlagen, damit die Seele besser entweichen kann.

Am Ufer des Bagmati befinden sich mehrere steinerne Plattformen, auf denen Holz aufgeschichtet ist. Darauf wird der Tote gebettet und mit feuchtem Stroh bedeckt. Anschließend läuft ein männlicher Nachkomme fünf Mal um den Scheiterhaufen herum. Bei den Vätern übernimmt diese Aufgabe der älteste, bei den Müttern der jüngste Sohn. Die fünf Runden stehen symbolisch für die fünf Elemente im Hinduismus: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Akasha, das etwa mit Weite oder Himmel übersetzt werden kann. Hat er den Toten genug umrundet, zündet der Sohn ein Stück Stroh an und steckt es seinem Vater oder seiner Mutter in den Mund. Ist die Leiche komplett verbrannt, wird die Asche in den Bagmati geschüttet.

Es ist üblich, dass bei dem Ritual zahlreiche Fremde zugegen sind. Sie sitzen und stehen auf den Mauern links und rechts des Bagmati und beobachten, wie unten am Fluss ein Mensch verbrannt wird. Nicht selten fordern die nepalesischen Guides die Touristen auf, das Ritual zu fotografieren. Neben den nepalesischen und ausländischen Schaulustigen beobachten auch die Ältesten und Kranken das Spektakel: Neben den Treppen, auf deren Plattformen die Toten verbrannt werden, steht ein Hospiz.

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